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„Norwegen wird auch morgen noch wiederzuerkennen sein“ sagte Ministerpräsident Jens Stoltenberg nach dem Terror des 22. Juli 2011 in Oslo und auf Utøya.  Bisher sollte er damit recht behalten, mehr vielleicht sogar als ihm lieb ist. Am 12. September wurde gewählt, wie jedes zweite Jahr, denn das Parlament kann nicht aufgelöst werden. Doch diesmal waren es Kommunal-, Regional- und die Kirchenwahlen der Staatskirche. Es wurde nach den Ereignissen des Sommers mit einer wesentlich höheren Wahlbeteiligung als bei den Kommunalwahlen vor 4 Jahren und den Kirchenwahlen vor 2 Jahren erwartet.

Framtun og Auli Skolekorps (FASK) in action

 

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Das erste Wochenende im November ist ein Wochenende an dem viele Skandinavier die Gräber ihrer Lieben besuchen. An diesem Wochenende wird „alle helgens dag“ , das einzige große kirchliche Fest des Herbstes gefeiert. Der „alle helgens dag“ ist aus dem katholischen Fest Allerheiligen hervorgegangen, dass auch als das Osterfest des Herbstes bezeichnet wird. Dieses Fest wird in orthodoxen Kirchen am ersten Sonntag nach Pfingsten und in der römisch-katholischen und der anglikanischen Kirche am 1. November gefeiert. Es wurde ursprünglich zum Gedenken an alle Märtyrer gefeiert, die keinen eigenen Feiertag haben. Der in Halle geborene Arzt Johann Friedrich Struensee (1737-1772) verlegte 1770 als Regent des Königs von Dänemark-Norwegen den Feiertag im Rahmen einer Feiertagsreduktion. In Dänemark und Norwegen wird er nun am ersten Sonntag im November und in Schweden einen Tag früher gefeiert. Inhaltlich entspricht er eher dem Allerseelentag, der in der katholischen Kirche am 2. November gefeiert wird, und dem deutschen Totensonntag: Es wird der im vergangenen Jahr Verstorbenen gedacht. Es ist bei uns der einzige Feiertag, an dem in fast allen Kirchen Gottesdienst gefeiert wird und man die Gräber seiner Lieben besucht und auch ein wenig schmückt.

Es war einmal in einem Königreich weit in Norden Europas, dort war der König noch immer das Oberhaupt seiner Kirche und durch die Verfassung verpflichtet sich zum evangelisch-lutherischen Glauben zu bekennen. Doch als die Regierung nun die Kirche demokratisieren und den König von dieser, wie sie meinte, lästigen Pflicht entbinden wollte, geschah etwas fast schon unerhörtes: Der König meldete sich in einer aktuellen politischen Debatte zu Wort und gab zu verstehen, dass er die Bekenntnispflicht für sich und seine Familie durchaus nicht als lästig empfände und er diese doch gern beibehalten würde. Manch ein Politiker knirschte mit den Zähnen, doch dem Wunsche wurde nachgekommen.

Wir haben die Wahl

80% der Einwohner Norwegens sind Mitglieder der  evangelisch-lutherischen Volkskirche, „Den norske kyrkja“.

Am 12. September haben sie die Wahl. Sie dürfen nicht nur ihre Vertreter für die Kommunal- und Regionalparlamente, sondern auch für die Kirchgemeinde- und Bistumsräte wählen. Die kirchlichen Wahllokale befinden sich häufig Tür an Tür mit den staatlichen.  Dies geschieht auf Anweisung des Staates, denn die Kirche ist de facto noch immer eine Staatskirche.